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Hanne Ørstavik

Geburtstag: 28. November 1969
Nation: Norwegen

von Simone Schiedermair



Hanne Ørstavik - Essay

Stand: 15.05.2013

Charakteristisch für die Texte von Hanne Ørstavik sind ihre hohe Formbewusstheit und ihre intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Identität. Es sind hermetische Texte, auf die man sich einlassen muss, für die man Zeit braucht, weil man mitarbeiten muss, mitweben muss, damit sich Texturen respektive Texte ergeben. Es sind Texte, die Übergänge und Räume zwischen verschiedenen Wirklichkeiten vorsichtig ausloten. Dabei stehen im Kontrast zu den schwebenden Einschätzungen die auffällig präzisen Vorgaben zur räumlichen Position der Protagonistinnen. Eindeutig und klar erscheinende äußere Zusammenhänge werden konterkariert von der Komplexität und Uneindeutigkeit der Selbstvergewisserungsprozesse, an denen sich die Romanheldinnen – es sind entweder Ich-Erzählerinnen oder weibliche Figuren – abarbeiten. Assoziativ werden Gedanken, Erinnerungen, Vorstellungen, Träume und Hoffnungen zu Reflexionsnetzen gesponnen, die, flexibel und vorläufig, nur scheinbare und befristete Verstehensoptionen anbieten. Mit Formulierungen wie „als ob“, „wie wenn“, „es wirkt so“, „denkt sie“ werden sie wieder zurückgenommen und zur Disposition gestellt; eine Vielfalt semantischer und motivischer Verdichtungen ermöglicht postmoderne Flexibilität und verschiedene Wege durch die Texte. Diese Verfahren führen zu der spezifischen ørstavikschen Textwirkung, die von den Lesenden fordert, ihre eigene Rolle als Lesende immer mitzureflektieren. ...



Der Artikel über Hanne Ørstavik ist nur einer von derzeit mehr als 650 Artikeln über Leben und Werk herausragender Schriftsteller des 20. und 21. Jahrhunderts im „KLfG – Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur“ Das KLfG bietet ausführliche Biografien, verzeichnet alle Originalausgaben und sämtliche Übersetzungen ins Deutsche sowie die wichtigste Sekundärliteratur.
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