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Elisabeth Reichart

Geburtstag: 19. November 1953
Nation: Österreich

von Thomas Kraft



Elisabeth Reichart - Essay

Stand: 01.03.1998

Wenn Elisabeth Reichart in einer Hommage an ihre Schriftstellerkollegin Ilse Aichinger diese als Suchende beschreibt, „die sich der Angst stellt und in die Finsternis hineingeht, die viel tiefer ist, als sie scheint“ (in: „Österreichische Dichterinnen“, 1993), dann umreißt sie damit auch ihr eigenes literarisches Selbstverständnis. Und wenn es dort weiter über Aichinger heißt, „sie drückt ihr Mißtrauen aus gegen alles, was man mit Recht sagen kann“, könnte dies auch ein Kernsatz aus dem eigenen poetologischen Konzept sein. Reichart setzt Wahrnehmungen aus weiblicher Perspektive literarisch um. Sie beschreibt eine von männlicher Sprache, Sexualität und Gewalt dominierte Gesellschaft, analysiert patriarchalische Strukturen und Prinzipien in Vergangenheit und Gegenwart und ruft verdrängte und vergessene Wirklichkeiten als Folie möglicher Selbstbefragung ins Gedächtnis zurück.

Ihre sprachskeptische Haltung korrespondiert mit einer beharrlichen Spurensuche, wobei ihr Interesse auf konkrete historische Personen und Kontexte wie auch auf allgemein gesellschaftliche Strukturen gerichtet ist. Ob als Monolog, Rollenprosa, biographisches Erzählen oder Montagegeflecht aus Traumsequenzen, Suaden und assoziativen Elementen, Reicharts Texte bemühen sich unabhängig von ihrer Erzählhaltung um eine sprachsinnliche Aussagekraft. Dabei werden feministische Grundpositionen mitreflektiert, und doch wird diese Prosa nie theorielastig oder ...



Der Artikel über Elisabeth Reichart ist nur einer von derzeit mehr als 700 Artikeln über Leben und Werk herausragender deutschsprachiger Autoren im „KLG – Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“. Das KLG bietet neben Biogrammen und ausführlichen Essays über Werk und Wirkung auch jeweils ein Werkverzeichnis und eine Bibliographie der Sekundärliteratur.
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